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Arcana Festival für Neue Musik
Gesäuse, Österreich
25. Juli bis 6. August 2013



Liebe Arcana FreundInnen, liebe FestivalbesucherInnen,

Nach zwei Jahren Pause ist am 25.7.2013 das Arcana Festival 2013 mit drei hinreißenden Konzerten der Neuen Vocalsolisten eröffnet worden.
Am 27. Juli 2013 faszinierten die Neuen Vocalsolisten mit Käser, Bauckholt, Verdú, Manca und insbesondere mit der Uraufführung der Neufassung von Albertine Drammaturgia und der Blumenstudien von Lucia Ronchetti. Am 28. Juli zeigte sich das Haindlkar von seiner magischen Seite. Drei Trompeter und zwei Posaunisten faszinierten in den steilen Karen mit Resonanzstudien. Am Abend gab die international gefragte Perkussionistin Robyn Schulkowski ein Schlagzeugkonzert der Extraklasse (Aufführungen von John Cage, Elliott Carter, Michael Jarrell, Ken Ueno und Iannis Xenakis).
Am 29. Juli entführte Juan Manuel Cañizares die Zuhörerinnen und Zuhörer in die Welt des Flamenco und im Anschluss beglückte der Klarinettist Ernesto Molinari nicht zuletzt mit dem Vortrag einer humorsitischen Hommage an den FC Barcelona das Publikum. Am 30. Juli entwickelten Ernst Kovacic (Violine) und Mathilde Hoursiangou (Klavier) komplexe Klänge von Beat Furrer, Johannes Maria Staud, Tristan Murail, Georg Friedrich Haas, Pascal Dusapin und Olga Neuwirth. Am 31. Juli gab das Duo Stump-Linshalm einen Einblick in die Vielseitigkeit der Klarinetten, anschließend begeisterte Juan Manuel Cañizares erneut, diesmal mit einem Werk von Mauricio Sotelo. Vorgestern schließlich war das Publikum Zeuge berührender Interpretationen von Werken von Beethoven, Dieter Ammann und Georg Friedrich Haas durch das international renommierte Gitarrenquartett Quatuor Diotima. Anschließend gab das Gitarrenduo Juan Manuel Cañizares und Juan Carlos Gomez Pastor eine bezaubernde Flamenco Hommage an Barcelona. Gestern, am zweitletzten Konzertabend in Admont hat Nicolas Hodges, der "Horowitz der Neuen Musik" (Peter Oswald) Werke von Kyburz, Rihm, Saunders und Sciarrino in größter Virtuosität und bezwingender Musikalität gespielt.

Am 3.8. erlebte das Publikum in der Stiftskirche Admont einen Flamencoabend der Sonderklasse: Juan Manuel Cañizares und Juan Carlos Gómez Pastor demonstrierten ihre Virtuosität auf der Gitarre, Angel Lopez Muñoz und María del Rosario Espino Delgado bewiesen technische Perfektion bei ihrem Flamencotanz nach traditionellen Mustern. Vorher spielten Eva Furrer, Uli Fussenegger und Joonas Ahonen Werke von Beat Furrer. Das Quatuor Diotima begeisterte mit Alberto Posadas 'Liturgia fractal', ebenso mit Georg Friedrich Haas und Ludwig van Beethoven.
Weltklasse MusikerInnen, herausfordernde KomponistInnen und weltweit renommierte WissenschaftlerInnen garantierten im Verlauf des Festivals für inhaltlichen Furor. Und das in einer magischen Region, die zum Wandern, Baden, Bergsteigen und Klettern einlädt.
Eine Region, in der alle die Seele baumeln lassen können und einen unvergesslichen Urlaub erleben werden.

Am 4. August ermöglichte das Arcanafestival dem Publikum mit hochkarätigen Veranstaltungen in der Helmut List Halle in Graz starke Erlebnisse. Starphysikerin Lisa Randall gab eine dichte Präsentation ihrer Forschungen und erläuterte im Gespräch mit Intendant Peter Oswald brennende Fragen von Physik, Kosmologie, Kunst und Musik. Die Solisten Alain Billard und Uli Fussenegger sowie das Arcana Ensemble unter der Leitung von Peter Rundel interpretierten Werke von Olga Neuwirth, Johannes Maria Staud, Rebecca Saunders, Alberto Posadas und Yann Robin und zuletzt gaben Juan Manuel Cañizares, Juan Carlos Gómez Pastor, Gitarre, Angel Lopez Muñoz und María del Rosario Espino Delgado einen umjubelten Einblick in Flamenco Gitarre und -tanz. Das furiose Finale des Festivals fand am 6. August in der Helmut List Halle statt: Pianist Nicolas Hodges gab mit beeindruckenden Interpretationen von Stücken von Beat Furrer, Rebecca Saunders, Hanspeter Kyburz, Salvatore Sciarrino und Wolfgang Rihm zwingende Beweise seiner Virtuosität.

Das Arcana-Festival wird 2014, vom 17. Juli bis 28. Juli, in einer der magischsten Regionen Europas, dem Gesäuse, und in Graz stattfinden.




Edgar Varèse in der Partitur zu Arcana


Im Zusammenhang mit Arcana kann man von Transformation sprechen (von Veränderung, von Aufbruch). Aber es geht weniger um Alchemie als um heftige Vulkanausbrüche in der Nacht. Hier ist der Ätna gleichermaßen symbolisch wie der Prometheus. Er ist sogar sein Doppelgänger. Es handelt sich durchaus um die prometheische Versuchung, den Kosmos in den Klängen und durch die Klänge zu besitzen.

Fernand Quellette, Biograph von Edgar Varèse



In einer der magischsten Regionen Europas findet im Sommer 2013 ein 13-tägiger Energiestrom zwischen KomponistInnen, InterpretInnen, WissenschaftlerInnen und Publikum statt.
Warum das Gesäuse? Die Reflexionen des Rauschens sind schon den Außenseitern des 19. Jahrhunderts aufgefallen, die hier ihre Zuflucht gefunden haben. Exemplarisch der Schwarze Peter. Der illegal operierende und legitim wirkende Wilderer hatte einen Durchschlupf durch die scheinbar unüberwindlichen Nordwände gefunden. Daraufhin hat er sich konspirativ mit den von kaiserlichen Banden ausgebeuteten Bauern von Johnsbach verbündet.

Auch der Name des Festivals ist Programm. Arcana ist eines der beiden Orchesterstücke von Edgar Varèse, der in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit seinen auch heute noch bestürzenden Innovationen dem pragmatischen neoklassizistischen und später faschistischen Ungeist kraftvolle künstlerische Positionen entgegen gesetzt hatte. Das Arcana Festival bezieht gegenüber Klischees, Neue Musik sei schwierig zu vermitteln eine klare Position. In seinem kommunikativen Handeln ist für das Arcana Festival die Vermittlung Neuer Musik unverzichtbar. Es kommuniziert mit allen gesellschaftlichen Schichten. Durch sein Handeln entsteht jene Weltoffenheit, die vergleichbare populistische Klischees nicht einmal ignoriert.

Arcana fühlt sich seinem Namensgeber noch in einer anderen Hinsicht verpflichtet. Edgar Varèse hatte vor 90 Jahren – visionär wie kein anderer Komponist – die Zusammenführung von künstlerischen und wissenschaftlichen Inhalten gefordert. Diesem Imperativ folgend definiert das Arcana Festival das neuronale Lustzentrum Neuer Musik als "temporalen, physischen Code, der dem Menschen die Rückverwandlung in eine Kreatur ermöglicht". In Peter Weibels fulminantem Auto-Interview müssen neuronaler Zeittakt und Musiktakt "quertakten", um eine psychische Immanenz (eben keine metaphysische Transzendenz) zu erreichen. Diese exemplarische philosophische Definition einer Zeitgenossenschaft koinzidiert mit Wolf Singers Reflexionen zur Emergenz kreativer Prozesse: kein Dualismus mehr, sondern die Zusammenführung von kognitiven (wissenschaftlichen) und künstlerisch-kreativen Prozessen. Damit folgt das Arcana Festival der neurowissenschaftlichen Einsicht führender Kognitionswissenschaftler, dass kognitive, emotionale und körperliche Prozesse untrennbar verbunden sind (vgl. Eric Kandel, Wolf Singer und António Damásio).

Das Arcana Festival ist kein Uraufführungsfestival, aber es verzichtet nicht auf die Neugier, nicht auf das Andere. Gleichzeitig entwirft Arcana ein Panorama kompromissloser, also freier Persönlichkeiten.

Peter Oswald



  Ein Stern ist höher als alle anderen. Es ist der Stern der Apokalypse; der zweite Stern ist der des Aszendenten, der dritte ist der der Elemente, und deren sind ihrer vier, sodass sechs Sterne feststehen. Neben diesem gibt es noch einen weiteren Stern, die Phantasie, die einen neuen Stern erschafft.

Edgar Varèse in der Partitur zu Arcana

Arcana, Hörprobe

Arcana Festival 2010, Bilderstrecke

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